Das Prinzip der Lochkamera | Modellübersicht | Lochberechnung |
Auch wenn die Fotografie mit der Lochkamera vom Prinzip her einfach ist, läßt sich der Aufwand vor allem in Hinblick auf optimale Schärfe beträchtlich steigern. Dafür muss erstens ein geeigneter Lochdurchmesser verwendet werden und zweitens dieses Loch an seinen Rändern möglichst exakt in einem maximal dünnen lichtundurchlässigem Material gemacht werden.
Das Prinzip der Camera Obscura
Vier Merkmale bestimmen wesentlich die Eigenschaften einer Lochkamera:
- Der Bildträger (Größe, Lichtempfindlichkeit)
- Die Blendenöffnung (Lochgröße und Beschaffenheit)
- Der Abstand zwischen Loch und Projektionsfläche (der sog. „Kameraauszug“ oder „Auflagemaß“)
- Streulicht (lichtdicht, wenig Reflektionen im Kamerainneren, Sonnenblende)
Durch Variation dieser Punkte kann die Lochkamera der gewünschten Bildwirkung angepasst werden. Von Superweitwinkel bis zum Megartele zur Sonnenbeobachtung ist alles möglich. Pitoreske Unschärfe geht ebenso wie beinahe scharfe Aufnahmen. Beinahe deswegen, weil bei der Lochprojektion ein Gegenstandspunkt in der Projektion stets zu einem Fleck führt, der in der Mitte rund und an den Rändern elliptisch ist. Das Bild setzt sich also aus einer Vielzahl dieser sich überlappender Flecke zusammen.
Mit den drei ersten Werten (Bildgröße, Lochdurchmesser und Kameraauszug) lassen sich Blende und Brennweite der Kamera ausrechnen. Kennt man dann noch die Lichtempfindlichkeit des Aufnahmematerials (ASA/DIN), so läßt sich mit einem Belichtungmesser die Belichtungszeit bestimmen. Allerdings wissen die meisten Belichtungsmesser mit so hohen Blendenwerten (kleinen Löchern) nichts anzufangen. Deshalb misst man den Wert für eine offenere Blende und verdoppelt die Belichtungszeit entsprechend der Blendenreihe. Mißt man also z.B. bei Blende 32 eine Belichtungszeit von 1/30s, so ergibt sich:
f/32 | f/45 | f/64 | f/90 | f/128 |
1/30s | 1/15s | 1/8s | 1/4s | 1/2s |
Zum Glück gibt es (auch im Internet) entsprechende Umrechnungstabellen, die Zwischenwerte und häufig auch den sogenannten Schwarzschild-Effekt berücksichtigen, der bei Langzeitbelichtung zu zunehmend längeren Belichtungszeiten führt.
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Ich benutze das Programm „Lochkamera“ in der Version 1.0.2 (lochkamera.exe) von Martin Ratzkowski mit Voreinstellungen für eine Vielzahl an Filmen. Leider ist die entsprechende Internetseite nicht mehr auffindbar.
„Daß der Sonnenstrahl, der durch irgendeine Spalte dringt, in Form eines Kreises auf die gegenüberliegende Flache fällt, ist eine allen geläufige Tatsache. Dies erblickt man unter rissigen Dächern, in Kirchen mit durchlöcherten Fensterscheiben und ebenso unter jedem Baume. Von der wunderbaren Erscheinung dieser Sache angezogen, haben sich die Alten um die Erforschung der Ursachen Mühe gegeben. Aber ich habe bis heute noch keinen gefunden, der eine richtige Erklärung geliefert hätte.„
Johannes Kepler: „Grundlagen der geometrischen Optik (im Anschluß an die Optik des Witelo)„.
Zitiert aus : „Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften“, Band 198, Leipzig 1922
Modellübersicht:
Modell | P1 | P2 | P3 | P4 | P5 | Dirkon |
Format (cm) | 10 x 20 | 7,5 x 9,5 | 4,5 x 6 | 20,3 x 25,4 | 10 x 13 | 2,4 x 3,6 |
Laufweite (mm) | 90 (radial) | 27 | 25 | 150 | 70 | 50 |
Lochd. (mm) | 0,29 | 0,19 | 0,164 | n.A. | 0,3 | 0,25 |
Bildwinkel/KB | 160°/n.A. | 130° | 110° | 94° | 94° | 47° |
Blende f/x | n.A. | 135 | 152 | 330 | 240 | 200 |
Filmhalter | Eigenbau | Polaroid Magazin für Mamiya RB67 | Mamiya RB 67 pro S 120 | Fidelity Elite 8×10 Kassette | Polaroid 545i 4×5 Halter | Papier |
L x B x H (mm) | 330x230x110 | 170x110x55 | 130x105x70 | 310x253x160 | 240x132x90 | 102x62x65 |
Gewicht (g) | 2230 | 560 | 615 | 2560 | 775 | 26 |
BJ. | 2004 | 2004? | 2005 | 2006 | 2007 | 2005? |
- P1: Die erste preiswerte „Schachtelkamera“ von 2004 für Papiernegative 10×20 cm. Die Lichtempfindlichkeit des Fotopapiers muss durch Ausprobieren ermittelt werden. Als Besonderheit wird das Fotopapier im Abstand von 9 cm im Halbkreis angeordnet, so das ein spezieller Panoramaeffekt erreicht wird.
- P2: Die P2 bietet ein Polaroid-Rückteil für Positive im Format 8,5 x 10,8 cm (3 1/4 x 4 1/4 in.) Das entspricht einer Bildfläche von 7,5 x 9,5 cm.
Der Bildwinkel der P2 beträgt rund 130°, d.h. 10 mm beim Kleinbildobjektiv.
Bei einem Lochdurchmesser von 0,2 mm ergibt sich so eine Blende von f/135.
Die Gummibänder sind praktisch, wenn man die Bildweite variieren möchte um für eine vorgegebene Lochblende die Schärfe zu justieren. Die Bildweite kann von 7 – 30 mm durch Zwischenringe variiert werden.
Beim Kleinbild entspricht das dann einem Brennweitenbereich von 4 – 17 mm Weitwinkelzoom.
Außerdem kann man eine Sonnenblende daran befestigen. Die Lochblende läßt sich durch die Befestigung mit Gummidichtungen schnell wechseln und passt auch auf die anderen Modelle.
Folgende Filme habe ich bisher genutzt:
– 690: | Farbe, ISO 100, natürliche Farben mit höherer Sättigung, großer Temperaturbereich, tolerant bei Entwicklungszeiten. Gute Ergebnisse. Leider nicht für Emulsionslift und image-transfer geeignet. |
– 664: | SW, ISO 100, mittlerer Kontrast, großer Tonwertumfang, feines Korn. Da dieser Film auf kurze Belichtungszeiten kleiner 1/10 s ausgelegt ist, eignet er sich trotz des feinen Korns und des großen Tonwertumfangs nur bedingt. |
– 667: | SW, ISO 3000, mittleres Korn, hohe Empfindlichkeit. Gut geeignet. Wegen der hohen Empfindlichkeit und der damit verbundenen kurzen Belichtungszeit ergeben sich ausgewogene Bilder mit gutem Tonwert und relativ schwacher Vignettierung. |
– 669: | Farbe, ISO 80, mittlerer Kontrast, mittleres Korn. Für Emulsionslift und image-transfer geeignet. Abgestimmt auf 1/125 s Belichtungszeit. Die Reziprozitätseigenschaften dieses Films bewirken bei längeren Belichtungszeiten eine Farbverschiebung in den blaugrünen und bei kürzeren Belichtungszeiten in den rotgelben Bereich. Deshalb leider nur für ausgesuchte Motive, bei denen der Blaustich gestalterisch geeignet ist. |
– 665: | SW, ISO 80, ergibt Positiv + Negativ. Feines Korn und und ein großer Tonwertumfang zeichnen diesen Film aus. Soll auch für lithografischen Druck ausgezeichnet funktionieren. |
- P3: Eine Mittelformatkamera mit 4,5 x 6 cm Negativformat für Rollfilm.
Der Bildwinkel der P3 beträgt bei einem Kameraauszug von 25 mm rund 110°, d.h. 15 mm beim Kleinbildobjektiv.
Bei einem Lochdurchmesser von 0,164 mm ergibt sich so eine Blende von f/152.
- Dirkon: Kleinbildkamera, gebaut aus einem tschechischen Papiermodell aus dem Jahre 1979, verfeinert mit einer Lochblende aus Messing mit einem Öffnungsdurchmesser von 0,25 mm (f/200).
Der Bildwinkel der Dirkon beträgt rund 47°, d.h. 50 mm beim Kleinbild (Normalobjektiv)
- P4: eine Planfilmkamera mit 20 x 25 cm Negativformat. Die Bildweite von 150 mm entspricht 20 mm Brennweite beim Kleinbildobjektiv. Bie Blende beträgt ~ 330.
- P5: Modell 2007. Eine Sperrholzkamera für 4 x 5 “ Planfilm inklusive Polaroidrückteil. Die Bildweite von 70 mm entspricht einem Kleinbildweitwinkel mit 20 mm Brennweite. Bei einem Lochdurchmesser von 0,3 mm ergibt sich eine Blende von ~ 240.
Lochberechnung
Josef Petzval (1807-1891) ist vermutlich der Erste, der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt, eine Formel zur Bestimmung des optimalen Lochdurchmessers für beste Schärfeleistung zu entwickeln. Diese Arbeit wird später von dem Britischen Nobelpreisträger Lord Raleigh (William Strutt) (1842-1919) verbessert und die Ergebnisse 10-jähriger Studien 1891 in seinem Buch „Nature“ veröffentlicht. Ausgehend von Raleighs Arbeiten sind im Laufe der Zeit weitere Formeln entwickelt worden um ein geeignetes Loch für möglichst scharfe Abbildungen zu berechnen:
Prof. Petzval | |
George Davison | |
Eric Renner | |
Martin Ratzkowsky | |
Schmidt-Ploch | Annäherungsfunktion bei gegebenem Lochdurchmesser bzw Kameralänge: Beliebige Kameralänge vorgegeben: Beliebiger Öffnungsdurchmesser vorgegeben: |